Der NABU Sulingen steht in seinen Bemühungen um die Renaturierung des Sulinger Moores in Kontakt mit dem Bundesverband und bat Felix Grützmacher, den zuständigen Referenten, einmal aus seiner Sicht darzulegen, warum überhaupt Moorschutz betrieben werden sollte?

Moore hatten für die Menschen in früheren Zeiten keinen Wert und waren häufig Kulisse für schaurige Geschichten und Sagen. Sie konnten weder für die Landwirtschaft, für die Jagd oder den Fischfang genutzt werden. Darüber hinaus wa-ren sie für Mann und Pferd kaum zu durchdringen und stellten so natürliche Verkehrshindernisse in der Landschaft dar. Die Trockenlegung der Moore galt daher über Jahrhunderte als große kulturelle Leistung.

Dies hat dazu geführt, dass natürliche Moore mit ihren verschiedenen ökologischen Ausprägungen heute zu den am stärksten gefährdeten Lebensräumen in Deutschland zählen. Nur sehr spät erkannte man, dass mit der Urbarmachung dieser Ökosysteme auch die Lebensräume vieler heute stark gefährdeter Tier -und Pflanzenarten verloren gingen. Mittlerweile finden sich in Deutschland nur noch fünf Prozent der ursprünglichen Moorlandschaften die als naturnah einge-
stuft werden können. Und selbst diese sind nicht auf Dauer gesichert!
Dies ist insbesondere auch daher eine Herausforderung, da mittlerweile die Wissenschaft recht genau beschreiben kann, welch unmittelbaren Nutzen die Moore auch für den Menschen haben. Sie sind Nähr- und Schadstofffilter und leisten somit einen wichtigen Beitrag für sauberes Grundwasser. Und als Kohlenstoffspeicher sind sie wahre Klimaschützer.

Denn während ihres Wachstums nehmen die Torf bildenden Pflanzen CO2 aus der Atmosphäre auf. Im wassergesättigten Milieu werden die Pflanzenreste nur unvollständig zersetzt und der Kohlenstoff damit auf Dauer im Moor gelagert. Wird der Moorkörper durch Entwässerung durchlüftet, oxidiert der über Jahrtausende gebildete Torf und innerhalb kürzester Zeit entweichen riesige Mengen klimaschädliches Kohlendioxid. Ein Vergleich verdeutlicht die enorme Bedeutung: In Deutschland ist in einer ca. 15 cm mächtigen Torfschicht in etwa gleich viel Kohlenstoff gebunden wie in einem 100 jährigen Wald. Geht nun ein Meter Torf verloren, müsste zum Ausgleich über das Sechsfache an Fläche aufgeforstet werden und hundert Jahre ungestört wachsen.
Im Winterhalbjahr 2015/16 und bis in den Juni hinein war das Moor dank häufiger Niederschläge so nass wie schon seit langer Zeit nicht mehr. Den bereits von Birken freigestellten Flächen bekommt die hohe Feuchtigkeit sehr gut, aber weitere Pflegearbeiten waren bis zum Sommer nicht möglich. Zurzeit befinden sich ca. 100 ha des Sulinger Moores im Eigentum der öffentlichen Hand oder von gemeinnützigen Institutionen. Aufgrund der starken Zersplitterung der Flächen ist jedoch an Vernässungsmaßnahmen nicht zu denken. Unsere Hoffnung richtet sich auf eine mögliche Flurbereinigung „Sulinger Moor“, in deren Rahmen die Grundstücke durch Tausch zusammengelegt werden könnten. In das Flurbereinigungsprogramm des Landes Niedersachsen wurde das Sulinger Moor als mögliches Projekt bereits aufgenommen. Entscheidend ist jedoch, wie die vielen privaten Grundstückseigentümer zu einem solchen Projekt stehen. Eine öffentliche Informationsveranstaltung zu den Chancen und Möglichkeiten einer solchen Naturschutzflurbereinigung ist für den September 2016 geplant.
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