Auenlandschaft Urloge

Blick von Süden auf die Urloge, Foto: NABU Sulingen/ Klaus Thiele
Blick von Süden auf die Urloge, Foto: NABU Sulingen/ Klaus Thiele

 Das Renaturierungsprojekt "Auenlandschaft Urloge bei Barenburg"

Das bisher  größte vom NABU Sulingen betreute Projektgebiet ist die Auenlandschaft Urloge in den zur Samtgemeinde Kirchdorf gehörenden Gemeinden Barenburg und Varrel.

Auf das „Urloge“-Biotop sind wir besonders stolz. Aus ehemals Wirtschaftswald und Ackerflächen entwickelt sich seit 2003 unter der Obhut des NABU ein Naturparadies für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Bei der Erfassung der im Gebiet vorkommenden Vogelarten wurden im Frühjahr 2016 zahlreiche Brutvögel festgestellt, darunter Buntspecht, Star, Hohltaube, Goldammer, Sumpf- und Teichrohrsänger, Mönchs-, Garten- und Dorngrasmücke, Zwergtaucher und Höckerschwan sowie sogar zwei Brutpaare des seltenen Neuntöters.

Ein toller Erfolg und eine Bestätigung für unsere Bemühungen!

 

Insgesamt 16 ha Wald und Ackerflächen, allesamt im Mündungsbereich der Flöte in die Große Aue, konnte der NABU in den vergangenen Jahren mit Unterstützung der Bingo-Umweltlotterie, der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz, der Firma ExxonMobil und der Stabsstelle Kreisentwicklung des Landkreises Diepholz (als Kompensationsflächenpool) ankaufen und in das Eigentum der Stiftung  Nationales Naturerbe übertragen.

Mit den Ankäufen wurde das Ziel verfolgt, in die heute weitgehend intensiv genutzte Niederung der Großen  Aue wieder naturnahe Strukturen mit extensiv genutztem Grünland, verschieden gestalteten Feuchtbiotopen und vor allem Überflutungsflächen bei Hochwasser zu schaffen.

Vier Jahre nach Beginn der Renaturierungsarbeiten hatten sich eine Vielzahl neuer Tier- und Pflanzenarten angesiedelt. Sehr gut untersucht ist beispielsweise die Gruppe der Libellen, von denen bislang 26 Arten nachgewiesen wurden.

Seit 2003 wurden rund 13.000 m² Ackerflächen in Wald umgewandelt, ein fast 300 m langer Hochwasserschutzwall beseitigt und ein ca. 150 m langer Graben zum Zwecke der Vernässung angrenzender Flächen abschnittsweise verfüllt.

Darüber hinaus wurden mehrere Teiche und künstliche Altarme angelegt sowie Hecken und Gehölzgruppen gepflanzt.
 

 

Blick vom Aussichtshügel - Foto: NABU Sulingen/Bernhard Köstermenke
Blick vom Aussichtshügel - Foto: NABU Sulingen/Bernhard Köstermenke
Extensive Nutzung der Flächen durch Pferde - Foto; NABU Sulingen/Jutta Kölbel-Boelke
Extensive Nutzung der Flächen durch Pferde - Foto; NABU Sulingen/Jutta Kölbel-Boelke
Indianerlager der Naturschutzjugend in der Urloge -  Foto: NABU Sulingen
Indianerlager der Naturschutzjugend in der Urloge - Foto: NABU Sulingen
Aktivitäten der Naturschutzjugend - Foto: NABU Sulingen
Aktivitäten der Naturschutzjugend - Foto: NABU Sulingen
Winterlicher Arbeitseinsatz mit Unterstützung der Exxon Mobil - Foto: NABU Sulingen
Winterlicher Arbeitseinsatz mit Unterstützung der Exxon Mobil - Foto: NABU Sulingen

Nachahmung der historischen Streunutzung

Adlerfarn vor der Bearbeitung-Foto: NABU Sulingen/Bernhard Köstermenke
Adlerfarn vor der Bearbeitung-Foto: NABU Sulingen/Bernhard Köstermenke

In den vergangenen Jahrhunderten nutzten unsere Vorfahren alle Möglichkeiten, um an zusätzliche Nährstoffe für die Düngung ihrer wenig ertragreichen Felder zu gelangen. Die Nutzung des Laubs von Bäumen als Einstreu in den Viehställen war eine solche Möglichkeit. Im Laufe der Zeit verarmten die Waldstandorte dadurch immer mehr. Die zusätzliche intensive Beweidung des Waldes mit Vieh verhinderte schließlich, dass junge Gehölze nachwachsen konnten und der Wald entwickelte sich im Laufe vieler Jahre schließlich zu Heiden. In diesen verarmten Lebensräumen lebten aber auch eine ganze Reihe von speziellen Tier- und Pflanzen.

 

Diese großflächige Übernutzung der Landschaft war in vielerlei Hinsicht schädlich und nicht nachhaltig. Heute wird die Landschaft jedoch durch ein „Zuviel“ an Nährstoffen geprägt und Tier- und Pflanzenarten nährstoffarmer Standorte stehen auf vielen Roten Listen ganz oben. 


Adlerfarnfläche nach der Bearbeitung-Foto: NABU Sulingen/B. Köstermenke
Adlerfarnfläche nach der Bearbeitung-Foto: NABU Sulingen/B. Köstermenke

Der NABU setzt sich dafür ein, dieser Entwicklung insbesondere auch auf seinen eigenen Flächen entgegenzuwirken und sie als Lebensräume für gefährdete Arten zu entwickeln. In der Urloge wurde dazu im Spätherbst 2020 auf Flächen von insgesamt rd. 1.000 m² Größe im Wald die historische Streunutzung nachgeahmt und die Laubstreu bis auf den sandigen Untergrund entfernt. Durch den Nährstoffentzug sollen der dichte Adlerfarnbestand geschwächt und die Ansiedlung neuer Arten ermöglicht werden. Es wird spannend zu beobachten sein, ob diese einmalige und kleinräumige Maßnahme bereits erkennbare Wirkungen zeigt, oder ob solche Maßnahmen in den nächsten Jahren wiederholt werden sollten.

 

Der NABU bedankt sich ganz herzlich bei der Bingo-Umweltstiftung, die die Maßnahme finanziell maßgeblich unterstützte!